A

ABVD
ein in der Polychemotherapie eingesetzte gleichzeitig verabreichte Kombination aus den Zytostatika: Adriamycin, Bleomycin, Vinblastin und Dacarbazin
Acetylsalicylsäure
(Handelsnamen u.a. Acesal, Alka-Seltzer, Aspirin, Godamed, Herz-ASS, Miniasal, Togal-ASS); Medikament gegen Fieber, Schmerzen und zur Blutverdünnung
Adjuvans
Bestandteil eines Arzneimittels, das selbst unwirksam ist, jedoch die Wirkung der anderen Komponenten fördert
Adjuvante Therapie
(lat.: adiuvare = unterstützen, helfen); eine unterstützende Therapie, die eventuell durchgeführt wird um das Wiederauftreten der Krebserkrankung zu verhindern oder zu verzögern, wenn nach der eigentlichen Therapie keine Tumorzellen mehr nachweisbar sind
Adultes T-Zell Lymphom / Adulte T-Zell Leukämie (ATL)
Unterform der aggressiven / hochmalignen Non-Hodgkin-Lymphomen (NHL) und Sonderformen der T-Zell-Lymphome bzw. T-Zell Leukämie, die stark mit dem „HTLV-1“ (humanes T-lymphotrope Virus 1) assoziiert (= verbunden, verknüpft) sind.
Weltweit schätzt man ca. 15-20 Millionen HTLV-1-Infizierte. Es erkranken aber nur 1-3 % der Infizierten im Laufe ihres Lebens an ATL, die meisten Patienten erkranken erst nach dem 60. Lebensjahr.
Klinisch kann die ATL sich mehr als Leukämie oder mehr als malignes Lymphom zeigen. Der Verlauf variiert von langsam chronisch bis zu schnell und akut. Im peripheren Blutausstrich sind sogenannte flower cells charakteristisch. Häufig findet sich eine Hyperkalzämie. Die Prognose ist im allgemeinen ungünstig und eine Heilung ist in den allermeisten Fällen nicht möglich, was auch daran liegt, dass die meisten Patienten älter sind, so dass keine intensivere Chemotherapie mehr möglich ist.
Agranulozytose
starke Verminderung der Granulozyten, einer Untergruppe der Leukozyten, auf unter 500 Zelle/ µl im Blut
aggressive (hochmaligne) Lymphome
(synonym: hochmaligne, von hohem Malignitätsgrad, high grade, high risk); Eingruppierung (grading) bestimmter Lymphome nach dem unbehandelt zu erwartenden Krankheitsverlauf. Die Erkrankung schreitet schnell, in Wochen oder Monaten fort.
Je nach Lymphom-Entität und Variante ist ein unterschiedlicher Anteil heilbar. (siehe auch grading, Lymphome und Zytostatika).
AIDA
eine in der Behandlung der akuten Promyelozytenleukämie (Akute Myeloische Leukämie, M3) eingesetzte Polychemotherapie mit den Zytostatika: ATRA (Alltransretinol) und Idarubicin
akut
plötzlich auftretend, schnell und heftig verlaufend; Gegensatz: chronisch
Akute lymphatische Leukämie (ALL)
die ALL ist eine akute Leukämie, d.h. sie tritt plötzlich auf und nimmt einen schnellen Verlauf. Vorläuferzellen der B-Lymphozyten oder T-Lymphozyten vermehren sich unkontrolliert und häufen sich massiv im Knochenmark, im Blut und gegebenenfalls auch in anderen Organen wie Milz und Leber an. Durch diese bösartig veränderten lymphatischen Zellen wird die Blutbildung im Knochenmark gestört. Folge ist ein Mangel an normalen Blutzellen (rote Blutkörperchen = Erythrozyten; weiße Blutkörperchen = Leukozyten und Blutplättchen = Thrombozyten), was zu Anämie, Infektionsneigung und Blutungsneigung führen kann.
Nicht selten sind auch die Hirnhäute und das Rückenmark von Krebszellen befallen und bedürfen einer besonderen Behandlung. Es werden nach morphologischen Kriterien nach der FAB-Klassifikation drei Varianten unterschieden (L1 - L3).
Die ALL-Varianten werden auch nach immunologischen Kriterien eingeteilt, die offenbar eine größere klinische Relevanz haben: In der B-Zell-Reihe, prä-prä-B-ALL, c(commen)-ALL, prä-B-ALL und B-ALL und in der T-Zell-Reihe prä-T-ALL und T-ALL). In den Leukämie-Zellen finden sich häufig unterschiedliche Chromosomenaberrationen, die prognostische Bedeutung haben. Ca. 1/3 der erwachsenen ALL-Patienten hat ein BCR-ABL Rearrangement (siehe Chronisch myeloische Leukämie) und kann deshalb grundsätzlich mit Glivec behandelt werden.
Die Varianten (Unterformen) werden unterschiedlich behandelt! Häufig wird die ALL mit Kombinationen von Zytostatika behandelt. Eine regionale Bestrahlung großer Tumormassen und eine prophylaktische Bestrahlung des Kopfes und des Rückenmarkes oder eine direkte Infusion von Zytostatika in die Flüssigkeit, die Hirn und Rückenmark umgibt, wird in der Regel durchgeführt. Häufig wird nach Zurückdrängen der Erkrankung eine Hochdosistherapie mit anschließender allogener Knochenmarktransplantation bzw. allogener Blutstammzelltransplantation angestrebt.
Akute myeloische Leukämie (AML)
die AML ist eine akute Leukämie, d.h. sie tritt plötzlich auf und nimmt einen schnellen Verlauf. Vorläuferzellen der Granulozyten vermehren sich unkontrolliert im Knochenmark. Typisch sind ausgeprägte Anämien und Thrombozytopenien mit ihren Folgeerscheinungen. Man unterscheidet nach morphologischen Kriterien der Zellen nach der FAB-Klassifikation die Typen M0, M1, M2, M3, M3 variant, M4, M4Eo, M5a, M5b, M6 und M7. Bei den einzelnen Typen vermehren sich unterschiedliche Vorläuferzellen der Blutzellen unkontrolliert. Die Art der Vorläuferzellen und ihr prozentualer Anteil an der Gesamtzahl der Zellen im Blut ist Basis für die Einteilung in verschiedene Typen.
Es sind einige Chromosomenaberrationen bekannt, die bei einem oder mehreren Varianten vorkommen. Einige der Aberrationen haben prognostische Bedeutung für eine wahrscheinliche Entwicklung der Erkrankung.
Von Bedeutung für eine spezielle Therapie ist vor allem die für den M3-Typ (M3 und M3 variant; Promyelozytenleukämie) typische Chromosomemtranslokation zwischen den Chromosomen 15 und 17; t(15;17). Durch diese Translokation ist der "Retinolsäure-Rezeptor alpha" so verändert, dass er das vitaminähnliche Retinol schlecht bindet. Das führt zu einer Blockade der Bildung von reifen Blutzellen und zur Ansammlung von Vorstufen des M3-Typs (Promyelozyten). Hohe Dosen Retinol können diese Blockade überwinden. Die Promyelozytenleukämie (M3 und M3 variant) kann deshalb mit hohen Dosen Retinol (Alltransretinol; ATRA), eventuell kombiniert mit einer milden Chemotherapie behandelt werden. Bei refraktären und rezidivierenden Fällen wird eventuell auch mit Arsentrioxid behandelt. Die anderen akuten myeloischen Leukämien (nicht M3) werden in der Regel als Induktionstherapie mit einer Kombination von Zytostatika behandelt, an die sich eine Konsolidierungstherapie anschließt. Dadurch ist allerdings bisher keine Heilung möglich.
Bei jüngeren Patienten wird nach Zurückdrängen der Erkrankung durch eine Chemotherapie, eine Hochdosistherapie mit anschließender allogener Knochenmarktransplantation / Blutstammzelltransplantation angestrebt.
Neuerlich werden in Studien HDAC-Inhibitoren (siehe HDAC) und Immuntherapien mit dem CD33-monoklonalen Antikörper Mylotarg durchgeführt.
akzelerierte Phase
zweite Krankheits- bzw. Übergangsphase der Chronisch Myeloischen Leukämie (CML) in die Blastenkrise. Die Leukozyten vermehren sich stark, reifen nur noch zum Teil aus und werden bereits in unreifen Entwicklungsstadien aus dem Knochenmark ins periphere Blut ausgeschwemmt. Durch die starke Vermehrung der Leukozyten im Knochenmark wird die Produktion der Erythrozyten und Thrombozyten gestört. Folge sind eine Anämie und eventuell Gerinnungsstörungen.
Alemtuzumab
(Handelsname: MabCampath); Medikament mit dem monoklonalen Antikörper CD52, dass in der Behandlung der Chronisch Lymphatischen Leukämie (CLL) als Immuntherapie eingesetzt wird.
Alexan®
siehe Cytosin-Arabinosid
Alkylantien
Alkylantien (auch Alkylanzien) oder alkylierende Verbindungen sind zelltötende Stoffe, die als Medikamente im Rahmen der Chemotherapie zur Behandlung von akuten und chronischen Leukämien, Lymphome, Ovarial-, Mamma- und Prostatakarzinom, Melanom, Lungentumoren und zur Vorbeugung eines erneuten Ausbruchs der Krankheit nach Krebsoperationen eingesetzt werden.
Durch den Einbau einer Alkylgruppe (Alkylierung) in die DNS einer Zelle wird deren Erbgut massiv verändert. Dadurch wird die Zellteilung gehemmt oder die Zelle abgetötet. Angriffspunkte sind vor allem sich schnell vermehrende Zellen wie Schleimhaut-, Haarwurzel-, Keimdrüsen- und Knochenmarkzellen. Alkylantien können selbst krebserregend sein.
ALL
Abkürzung für Akute Lymphatische Leukämie
allogen
(gr. anders, verschieden); von einem genetisch verschiedenen Individuum der gleichen Art stammend. Hier: Übertragung von Knochenmark bzw. Blutstammzellen eines anderen Menschen (Familien- oder Fremdspender). Gegensatz: autolog
allogene Knochenmark- bzw. periphere Blutstammzell-Transplantation
(allogene KMT bzw. allogene PBST)
Die Übertragung von Blutstammzellen, die von einem Familien- oder Fremdspender stammen. Voraussetzung für eine solche Transplantation ist die weitgehende Übereinstimmung der Gewebemerkmale von Spender und Empfänger.
Üblicherweise wird der ganze folgende Vorgang so benannt: die Gewinnung der Stammzellen vom Spender, die Hochdosistherapie, die Übertragung der Stammzellen und die folgende spezielle Betreuung bis sich die Immunabwehr des Patienten nach der Aplasie-Phase wieder aufgebaut hat.
Bei einer Hochdosistherapie, die eine Zerstörung aller Tumorzellen zum Ziel hat, werden als Nebenwirkung auch die Blut-Stammzellen im Knochenmark, aus denen alle Blutzellen gebildet werden, zerstört. Sie müssen durch genetisch passende Stammzellen eines gesunden verwandten oder nichtverwandten Spenders ersetzt werden. Nach der Infusion in eine Vene wandern die Stammzellen ins Knochenmark ein und bilden dort dauerhaft alle Blutzellen. Die übertragenen Stammzellen können aus dem Knochenmark, aus dem Blutkreislauf (periphere Blutstammzellen) oder aus der Nabelschnur/Plazenta eines Neugeborenen stammen.
Allopurinol
Medikament, dass den Purin-Abbau hemmt (Purine = Bausteine der DNA) und damit die Konzentration des "Entsorgungsstoffes" Harnsäure als Nebenwirkung der Therapie begrenzt.
Beim Vorliegen einer großen Tumormasse findet bei einer Krebsbehandlung ein massiver Zell- und damit DNA-Abbau statt, die Purin- und schließlich Harnsäurekonzentration steigt sprunghaft an. In manchen Fällen werde vermehrt Harnsäurekristalle gebildet. Es kann zu schmerzhaften Gichtanfällen und schließlich zur Bildung von Nierensteinen kommen.
Alopezie
Haarausfall; häufige Nebenwirkung nach einer Chemotherapie oder Strahlentherapie
ambulant
ohne Übernachtung im Krankenhaus
Aminosäuren
Als Aminosäuren bezeichnet man die ca. 25 verschiedenen Grundbausteine von Proteinen (Eiweißmolekülen). Durch die spezielle Reihenfolge der verschiedenen Aminosäuren in der Molekülkette eines Proteins werden seine Struktur und damit seine spezielle Eigenschaft bestimmt.
AML
Abkürzung für Akute Myeloische Leukämie
Ampho-Moronal
Medikament, das als Lutschtabletten oder Suspension gegen Hefepilzinfektionen im Mundhöhlenbereich (Soor) verabreicht wird.
Amphotericin B
Gegen Pilze wirkendes potentes Medikament, dass häufig als Prophylaxe (Vorbeugung) oder als Therapie bei akutem Befall bei Patienten mit einer Immunsuppression (Immunschwäche) verabreicht wird.
Amyloid
(gr. stärkemehlähnlich); bei bestimmten Krankheiten lagern sich in Geweben Eiweißkomplexe ab, die einen Kohlenhydratanteil (Zuckeranteil) haben und sich deshalb wie Stärke (auch ein Kohlenhydrat) anfärben lassen.
Amyloidose
Ablagerung eines massenhaft anfallenden spezifischen Proteins außerhalb von Zellen.
Hier: Erkrankung durch Ablagerung eines von den Tumorzellen unkontrolliert gebildeten, funktionslosen Immunglobulins (Amyloiden) beim Plasmozytom / Multiplen Myelom und Bence-Jones-Myelom.
Anämie
(gr. = ohne Blut, Blutarmut); Abfall der Anzahl der Erythrozyten (roten Blutkörperchen) unter den Normalwert. Es sind nicht genügend Erythrozyten für einen ausreichenden Sauerstofftransport im Blut vorhanden. Das kann zu Kurzatmigkeit, Schwäche und Müdigkeit führen. Gemessen wird die Konzentration des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin (Hb-Wert).
Normaler Hb-Wert: 12 - 16 g/dl Blut bei Frauen, 14 - 18 g/dl bei Männern
milde Anämie: 10 - 12 g/dl
mittelgradige Anämie: 8 - 10 g/dl
schwere Anämie: unter 8g/d
Anagrelid
(Handelsname: Xagrid); Medikament zur Behandlung von myeloproliferativen Erkrankungen (Essentielle Thrombozythämie (ET), Polycythaemia vera (PV), Chronisch Myeloische Leukämie (CML), Osteomyelofibrose (OMF)).
Die Substanz verringert die Anzahl der im Knochenmark gebildeten Blutplättchen und reduziert so die Zahl der im Blut zirkulierenden Blutplättchen wieder auf ein normales Maß
Analgetikum
(pl. Analgetika); Schmerzmittel
Anamnese
Vorgeschichte des Kranken; Art, Beginn und Verlauf der Beschwerden, die im ärztlichen Gespräch erfragt werden
Anaphylaktischer Schock
akute Überempfindlichkeitsreaktion
Anaplastisches großzelliges Lymphom (ALC), T- und Null-Zell Typen
(syn: maligne Histozytose); das ALC, gehört der T-Zell-Reihe an und zählt als Unterform zu den aggressiven / hochnmalignen Non-Hodgkin-Lymphomen (NHL). Die meisten Tumoren enthalten lymphoide T-Zellen oder Null-Zellen.
Das ALC lässt sich nach molekularen und klinischen Kriterien weiter in mehrere Entitäten unterschieden die in unterschiedlichem Alter auftreten und verschiedene Prognosen haben
Aneuplodie
eine Abweichung vom normalen (euploiden) Chromosomensatz (2 x 23 beim Menschen) durch überzählige oder fehlende Chromosomen
Angiogenese
Neubildung von Blutgefäßen; wachsende Tumore regen die Angiogenese an, um so ihren Nährstoff- und Sauerstoffbedarf sicherzustellen
Angioimmunoblastisches T-Zell Lymphom
(syn.: Angioimmunoblastische Lymphadenopathie, Lymphogranulomatosis X); das angioimmunoblastische Lymphom gehört zu den peripheren T-Zell-Lymphomen und zählt als Unterform zu den aggressiven / hochmalignen Non-Hodgkin-Lymphome (NHL).

Ann-Arbor Klassifikation
ein System, nach dem fast alle Lymphome nach der Fortgeschrittenheit der Erkrankung in Stadien eingeteilt werden.

Stadium I: Befall einer einzelnen Lymphknotenregion oder lokalisierter Befall eines einzelnen extralymphatischen Organs oder Bezirks (extralymphatisch= außerhalb des Lymphsystems / nicht zum Lymphsystem gehörend)
Stadium II: Befall von 2 oder mehr Lymphknotenregionen auf der gleichen Seite des Zwerchfells oder lokalisierter Befall eines einzelnen extralymphatischen Organs oder Bezirks und seines (seiner) regionären Lymphknoten mit oder ohne Befall anderer Lymphknotenregionen auf der gleichen Zwerchfellseite
Stadium III: Befall von Lymphknotenregionen auf beiden Seiten des Zwerchfells, ggf. zusätzlich lokalisierter Befall eines extralymphatischen Organs oder Bezirks oder gleichzeitiger Befall der Milz oder gleichzeitiger Befall von beiden
Stadium IV: Ausgedehnter (multifokaler) Befall eines oder mehrerer extra lymphatischer Organe mit oder ohne gleichzeitigen Lymphknotenbefall; oder isolierter Befall eines extralymphatischen Organs mit Befall entfernter (nichtregionärer) Lymphknoten
Jedes Stadium wird in A- und B-Kategorien unterteilt:
A bei Fehlen definierter Allgemeinsymptome
B bei folgenden definierten Allgemeinsymptomen:
- unerklärlicher Gewichtsverlust von mehr als 12% des vorigen Körpergewichtes in den letzten sechs Monaten und/oder
- unerklärliches Fieber mit Temperaturen über 38° C und/oder
- starker Nachtschweiß

Anorexie
Appetitlosigkeit und als Folge Gewichtsverlust und Abmagerung; häufige Begleiterscheinung einer Chemotherapie oder Strahlentherapie
Anthracycline
sind zytostatisch wirkende Antibiotika, die in der Chemotherapie als Zytostatika eingesetzt werden. Wegen des schnellen Wachstums von Krebszellen werden diese durch Anthracycline stärker gestört als gesunde Zellen. Allerdings werden auch gesunde Körperzellen angegriffen, was zu schweren, teilweise irreversiblen Nebenwirkungen wie Störungen des Knochenmarks und vor allem des Herzens führen kann.
Zu den Anthracyclinen gehören z. B. Epirubicin, Idarubicin, Doxorubicin und Daunorubicin.
Antiangionese
Hemmung der Neubildung von Blutgefäßen. Dadurch werden Tumore von der Nährstoffversorgung abgeschnitten, sie „verhungern“. Ein neuer Ansatz in der Tumorbehandlung
Antibiotikum
(pl. Antibiotika); Medikament zur Bekämpfung von bakteriellen Infektionen. Hierbei handelt es sich vor allem von Pilzen und Bakterien gebildete Substanzen, die das Wachstum anderer Mikroorganismen hemmen oder sie abtöten. Sie wirken nicht gegen Viren! Der Begriff Antibiotikum wird auch für Substanzen benutzt, die das Wachstum von Tumorzellen hemmen.(siehe Zytostatika)
Antiemetikum
(pl. Antiemetika); Mittel gegen Brechreiz und Übelkeit. Es wird in der Regel während der Chemotherapie zur Unterdrückung oder Abschwächung dieser Erscheinungen verabreicht
Antigene
alle Substanzen, die vom Immunsystem als fremd erkannt werden. Sie regen das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern an, mit deren Hilfe die Substanzen (auch Viren und Bakterien) unschädlich gemacht und aus dem Körper entfernt werden. Auch Krebszellen tragen vor allem auf den Oberflächen antigen wirkende Eiweiße. Sie sind allerdings in der Regel nicht tumorzellspezifisch. Sie können jedoch als Ansatzpunkt für Immuntherapien dienen
Antigenität
Substanz, die im Blut oder Gewebe die Bildung von Antikörpern hervorruft (z.B. Schlangen-, Bakteriengifte). Die Verbindung eines Antigens mit einem Antikörper ist eine der wichtigsten Abwehrmechanismen des Organismus und Grundlage der Immunität.
Antikonvulsivum
(pl. Antikonvulsiva); Arzneimittel, das zur Behandlung epileptischer Erkrankungen bzw. Anfallserkrankungen eingesetzt wird
Antikörper
ein von Zellen des Immunsystems (B-Lymphozyten) hergestelltes Eiweißmolekül, dass ein Antigen spezifisch "erkennt.". Der Antikörper bindet gezielt an bestimmte Oberflächenstrukturen des Antigens und leitet durch eine Reihe weiterer Immunreaktionen deren Zerstörung und Beseitigung ein.
Gentechnologisch hergestellte Antikörper, sogenannte monoklonale Antikörper, können als Medikament verabreicht werden. Mit deren Hilfe kann das Immunsystem Krebszellen erkennen und dann vernichten. Das ist die Basis für die zunehmend erfolgreich angewandten Immuntherapien.
Antimetabolit
Metabolismus (gr. das Verändern, das Vertauschen); ein Metabolit ist ein Molekül, das im Körper bzw. in den Zellen des Körpers durch den Stoffwechsel in ein anderes Molekül umgewandelt wird.
Ein Antimetabolit ist ein dem Metaboliten in der Struktur sehr ähnliches Molekül, welches mit dem Metaboliten "verwechselt" wird. Der Antimetabolit blockiert den Umwandlungsmechanismus und verhindert so die Bildung eines für die Zelle essentiellen Stoffwechselproduktes. Das Zellwachstum (hier der Tumorzellen) wird unterbunden und - abhängig von der Art des Antimetaboliten - sterben die Zellen eventuell ab. Viele Zytostatika sind Antimetaboliten
Antimetabolite
Antimetabolite werden als falsche Bausteine in die DNA oder RNA eingebaut oder verhindern dort den Einbau der korrekten Bausteine und stören so die Zellteilung und den Stoffwechsel. Ihre Nebenwirkungen sind Übelkeit und Anämie, sowie Nierenschäden.
Anwendungsgebiete für Antimetaboliten sind neben viele solide Tumore wie z.B. Darm- und Brustkrebs auch Leukämie. Man vermutet, dass die Empfindlichkeit der Zellen gegenüber Strahlung gesteigert wird.
Antimykotikum
(pl. Antimykotika); Medikament gegen Pilzinfektionen
Antiserum
(syn. Immunserum oder Impfserum); ein nach natürlicher oder künstlicher Immunisierung von Mensch oder Tier mit dem entsprechenden Antigen gewonnenes Serum, dass spezifische Antikörper gegen das betreffende Antigen in hoher Konzentration enthält
Anti-T-Zell Globulin / Antithymozytenglobulin (ATG)
(syn.: Antilymphozytenserum); bewirkt beim Empfänger vor allem durch "Suppression" der im Blut zirkulierenden T-Lymphozyten eine Verminderung der T-Lymphozytenzahl (Lymphozytophenie). Das Anti-T-Zell Globulin wird z.B. zur Hemmung der zellvermittelten Transplantatabstoßung verabreicht. Nach Stammzelltransplantationen wird es zur Prophylaxe und Therapie von Transplantatabstoßungen und Graft-versus-Host Erkrankungen eingesetzt.
Apherese
die Trennung (Isolation oder Entfernung) bestimmter Blutbestandteile aus dem Blut. Sie wird mit Hilfe eines Apparates durchgeführt, z.B. die Isolation von Stammzellen aus dem peripheren (fließenden) Blut als Vorbereitung für eine Hochdosistherapie. Über einen Venenzugang an einem Arm wird Blut abgesaugt und nach Passage durch einen Zellseparator über einen zweiten Venenzugang am anderen Arm kontinuierlich zurückgegeben. Die isolierten Stammzellen werden untersucht und dann eventuell für eine spätere Transfusion tiefgefroren.
Auch die Entfernung von krankmachenden Blutplasmabestandteilen aus dem Blut beim Plasmozytom/Multiplen Myelom bzw. von Leukozyten bei Leukämien (Leukapherese)
Aplasie
allgemein: fehlende Entwicklung oder Neubildung von Organen oder Zellen;
hier: Zustand des funktionsunfähigen Knochenmarks, das keine Blutzellen produzieren kann; die fehlende Neubildung von Blutzellen. Auch der Zeitraum nach einer Chemotherapie und/oder Strahlentherapie, in der als Nebenwirkung die Bildung von Blutzellen unterbrochen oder stark vermindert ist, wird Aplasie-Phase oder einfach Aplasie genannt.
Durch normales Absterben der Erythrozyten, Thrombozyten und Leukozyten nimmt deren Konzentration bei therapiebedingter, fehlender Neubildung ab. Leukozyten, die Zellkerne und so DNA enthalten, werden zusätzlich direkt durch Strahlung oder Zytostatika zerstört. Beim Erreichen kritischer Grenzen müssen Erythrozyten und Thrombozyten durch Transfusionen ergänzt werden.
Leukozyten können wegen der Immunabwehr nicht transfundiert werden. Beim Erreichen kritischer Konzentrationen im Blut erhöht sich die Infektionsanfälligkeit. Deshalb müssen besondere Vorsichtsmaßnahmen zur Infektionsvermeidung ergriffen werden (siehe Umkehrisolation). Häufig werden auch prophylaktisch Antibiotika verabreicht.
Aplastische Anämie
(syn. Panmyelopathie) sehr seltene Erkrankung und potenziell lebensbedrohliche hämatologische Erkrankung, bei der es sich um eine Sonderform der Anämie handelt. Es kommt zu einem Knochenmarkversagen mit Panzytopenie, d.h., die Anzahl aller Zellen des Blutes sind verringert (Mangel an Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten). Unterschieden wird eine häufig vorkommende, erworbene und eine seltene, angeborene Form. Zu den angeborenen Formen gehören die Fanconi-Anämie sowie das Diamond-Blackfan-Syndrom.
Apoptose
der durch eine Zelle selbst ausgelöste genetisch programmierte Zelltod ("Selbstmord"). Die Hemmung der Apoptose in den Krebszellen ist offenbar ein wichtiges Phänomen bei der unkontrollierten Vermehrung der Krebszellen und somit der Entwicklung vieler Tumore
Applikation
Verabreichung eines Medikamentes; in der Regel unter Angabe der Art der Applikation:
oral (über den Mund),
intravenös (direkt in eine Vene injiziert),
subkutan (unter die Haut injiziert);
Ara-C
Abk. für Cytosin-Arabinosid; Zytostatikum, das im Rahmen der Leukämiebehandlung eingesetzt wird
ASI
aktiv-spezifische Immuntherapie; aus frischem, patienteneigenem Tumorgewebe wird ein Tumorimpfstoff hergestellt, der dem Patienten gespritzt wird.
Asparaginase
(auch L-Asparaginase); Zytostatikum, das häufig in der initialen Behandlung der Akuten Lymphatischen Leukämie (ALL) und bei einigen Subtypen des Non-Hodgkin-Lymphoms (NHL) eingesetzt wird.
Aspergillus
(eine Gattung von Pilzarten) Aspergillus-Infektionen sind in der Aplasie-Phase und speziell nach allogenen Transplantationen nicht selten und führen zu Komplikationen. Eintrittspforte ist häufig die Nase. Die Pilze können unterschiedliche Organe befallen. Am häufigsten siedeln sie sich in der Lunge an.
asymptomatisch
ohne Beschwerden und Symptome
Aszites
(gr. Bauchwassersucht); krankhafte Flüssigkeitsansammlung in der freien Bauchhöhle
ATG
Siehe „Anti-T-Zell-Globulin“
ätiologischer Faktor
verursachender Faktor
ATL
(ATLL), T-Zell-Leukämie / Lymphom des Erwachsenen, assoziiert mit einer HTLV-Infektion
ATRA
All-trans-Retinolsäure (Vitamin-A-Derivat); ATRA wird in der Behandlung der akuten Promyelozyten-Leukämie eingesetzt. (Akute Myeloische Leukämie (AML) Typ M3)
atypisch
nicht der typischen Form entsprechend, von der Norm abweichend
Autoimmunkrankheiten
Krankheiten des Immunsystems, bei denen Immunzellen das eigene Körpergewebe schädigen
autolog
(auto- gr. selbst); vom Patienten selbst stammend. Hier: bei autologer KMT bzw. autologer PBSCT die Rückübertragung der vorher vom Patienten selbst isolierten Blutstammzellen. Diese Zellen, da von ihm entnommen, sind genetisch mit seinen anderen Zellen identisch.
Gegensatz: allogen
autologe Knochenmark- bzw. periphere Blutstammzell-Transplantation
(autologe KMT bzw. PBSCT)
Im engeren Sinn die Rückübertragung von Blutstammzellen, die von dem Patienten vor einer stammzellzerstörenden Hochdosistherapie isoliert wurden. Üblicherweise wird der ganze folgende Vorgang so benannt:
Die Gewinnung der Stammzellen, die Hochdosistherapie, die Rückübertragung der Stammzellen und die folgende spezielle Betreuung in der Aplasie-Phase, bis sich das Immunsystem wieder aufgebaut hat.
Bei einer Hochdosistherapie, die eine Zerstörung aller Tumorzellen zum Ziel hat, werden als Nebenwirkung auch die Blutstammzellen, aus denen sich alle Blutzellen bilden, zerstört. Sie müssen ersetzt werden. Nach der Transfusion wandern die Stammzellen ins Knochenmark ein, siedeln sich dort an und bilden dauerhaft alle Blutzellen.
Die übertragenen Stammzellen können aus dem Knochenmark oder aus dem Blutkreislauf (periphere Blutstammzellen) stammen.
Axilla
Achselhöhle
axillär
die Achselhöhle betreffend
Azacitidin
(Handelsname: Vidaza); die zytostatisch wirkende Substanz zeigt auch eine schwache antibiotische Aktivität. Azacitidin „reaktiviert“ Gene, die für die Ausreifung von Zellen sorgen und durch das Enzym DNA-Methyltransferase „abgeschaltet“ werden. D.h., dieses Enzym wird gehemmt, die Gene werden aktiviert und die Zellen reifen wieder aus
Azathioprin
(Handelsnamen u.a.: Azafalk, Azaimmun, Colinsan,Immunoprin, Imurek, Zytrim); immunsuppressiv wirksame Substanz, die die Immunabwehr unterdrückt und vorbeugend gegen eine Graft-versus-host-Reaktion (GvHD) eingesetzt wird