Die Erklärungen wurden von den Autoren sorgfältig recherchiert und von Frau Dr. med. Birgit Lödige kritisch durchgesehen. Dennoch: Alle Angaben ohne Gewähr !

Begriffe in blauer Schrift (interne Links) werden an ihrer alphabetischen Position erklärt. Durch Anklicken des so aufgesuchten Begriffes kommen Sie an die vorige Stelle zurück.
Die nicht alphabetisch aufgeführten Begriffe im Text können Sie auch mit der Suchfunktion der SELP-Seiten finden. (Navigationsleiste links)

In Papierform ist das Glossar auch über die Geschäftsstelle zu beziehen.
Glossar; Leukämien und Lymphome  ABC-Leiste ?
D
Diagnostik
Sammelbegriff für alle Untersuchungen, die zur Erkennung und Benennung einer Krankheit führen.
Differentialblutbild
(syn. Hämogramm) Die prozentuale Zusammensetzung der verschiedenen Arten von Leukozyten (weißer Blutkörperchen)
Differentialdiagnose
Aufgetretene Symptome, Beschwerden des Patienten, können auf verschiedene mögliche Erkrankungen hinweisen. Durch eine Differentialdiagnose mit Hilfe geeigneter zusätzlicher Untersuchungsmethoden soll eine Reihe von möglichen Erkrankungen ausgeschlossen werden und die tatsächlich vorliegende Erkrankung gefunden werden.
Differenzierung
Aus der befruchteten Eizelle entstehen durch aufeinanderfolgende Zellteilungen über viele Zwischenstufen schließlich alle spezialisierten Zellen und Gewebe des Körpers wie Haut, Blutgefässe, Milz usw.; so auch aus Blutstammzellen Leukozyten, Erythrozyten und Thrombozyten Diese Spezialisierungen nennt man Differenzierung. Die Differenzierung ist ein nach einem erblichen Muster ablaufender Vorgang, bei dem in einem hochkomplexen Programm viele verschiedene Gene an- und wieder abgestellt werden bis schließlich das Muster aktiver und inaktiver Gene der spezialisierten Zelle etabliert ist;
Diffuses großzelliges B-Zell Lymphom
REAL/WHO-Klassifikation: diffuse large cell Lymphoma; Kiel-Klassifikation: Zentroblastisches Lymphom und B-immunoblastisches Lymphom und B-großzellig-anaplastisches Lymphom;
B-Zell Lymphom; grading: aggressiv / hochmaligne (siehe Näheres unter grading).
Ca. 20% der Fälle zeigen eine Chromosomentranslokation t(14;18), die eine Überproduktion des BCL-2 Gens und damit die Hemmung des programmierten Zelltodes bewirkt. Diese 20% haben sich offenbar aus Follikulären Lymphomen entwickelt.
DNA; DNS
(Abk. für Englisch: Deoxyribonucleic acid; Deutsch: Desoxyribonucleinsäure)
Chemische Bezeichnung des fadenförmigen Moleküls , in dem die Erbinformation durch eine spezifische Folge der vier Bausteine Adenosin, Cytidin, Guanosin und Thymidin (A,C,G,T) quasi als Schrift mit vier Buchstaben gespeichert ist. Auf der DNA sind die einzelnen Gene, die die Baupläne für alle verschiedenen Proteine enthalten, perlschnurartig "aufgereiht". Die Gesamt-DNA des Zellkerns besteht aus mehreren getrennten Molekülfäden, den Chromosomen. Die DNA eines Chromosoms liegt nicht als "nackter" chaotisch wirrer Haufen im Zellkern vor, sondern bildet mit speziellen kleinen Proteinen (Histonen) geordnete Strukturen. Siehe auch unter Gene und Genregulation.
Doppelblind-Studie
Eine Studie, bei der weder Arzt noch Patient wissen, welches von zwei möglichen Prüfmedikamenten der Patient erhält. Dadurch soll eine Beeinflussung der Beurteilung der beiden unterschiedlichen Behandlungen durch Vorurteile ausgeschlossen werden.
(Siehe auch die ausführlichen Erklärungen unter Studien
Dosis
Menge pro Gewicht oder Volumen
Dyspnoe
Atemnot;
E
Elektrophorese
Lässt man ein Proteingemisch (Eiweißgemisch) z.B. das Blutserum in einem elektrischen Feld auf einem Trägermaterial wandern, werden die Proteine nach Größe und elektrischer Ladung aufgetrennt. Es entsteht (durch Anfärbung sichtbar) ein typisches Bänder-Muster oder bei einer Dichtemessung ein Spitzen-Muster aus dem man die Menge und die Art der vorhandenen Proteine erschließen kann.
Endoxan
(Wirkstoff: Cyclophosphamid); Zytostatikum;
Engraftment
Anwachsen eines Transplantates; hier: das Ansiedeln der Blutstammzellen im Knochenmark;
Entität
hier: eine eigenständige in ihrer Entstehung und ihrem Verlauf von ähnlichen Erkrankungen unterscheidbare Erkrankung; z.B. das Mantellzelllymphom, oder die CLL innerhalb der Lymphome;
Enzyme
globuläre Proteine (knäulchenförmige Eiweiße), die biochemische Umwandlungen von Stoffen erleichtern und dadurch beschleunigen und in die gewünschte Richtung ablaufen lassen ohne, dass sie dabei selbst verändert werden.
EORTC-Klassifikation
(European Organisation for Research and Treatment of Cancer); eine Klassifikation kutaner Lymphome, die neben der REAL-Klassifikation bzw. WHO-Klassifikation der Lymphome weiter benutzt wird.
Eosinophile Granulozyten
eine Untergruppe der Leukozyten (weißen Blutkörperchen); sie nehmen Bakterien und Gewebereste auf und vernichten sie und dämpfen allergische Reaktionen.
Epirubicin
(Handelsname: Farmorubicin); Zytostatikum;
Epstein-Barr-Virus (EBV)
(nach den Entdeckern des Virus benannt) EBV-Infektionen werden in ursächlichen Zusammenhang mit der Entwicklung von Burkitt-Lymphomen gebracht.
Erhaltungstherapie
chemotherapeutische Behandlung zur Stabilisierung einer erreichten Remission.
Erstlinientherapie / Erstlinien-Therapie
Die Therapie, die nach der Diagnosestellung in der Regel als erstes zur Bekämpfung des Tumors angewandt wird.
Erythropoietin (Epo)
Erythrozyten (rote Blutkörperchen) werden nach 100-120 Tagen abgebaut; sie müssen deshalb ständig neu gebildet werden. Ihre Bildung wird durch das körpereigene Wachstumshormon Erythropoietin gesteuert. Es wird heute gentechnologisch hergestellt und ist als Medikament verfügbar.
Erythrozyten
rote Blutkörperchen; mit Hilfe ihres Hämoglobins transportieren sie Sauerstoff und Kohlendioxyd.
Normalwert bei Frauen 3,5-5,0 x 106/ml Blut und bei Männern 4,3-5,9 x 106/ml Blut. Aus statistischen Gründen sind leichte Abweichungen nach oben oder unten beim Normalwert bei einzelnen Patienten möglich.
Essentielle Thrombozythämie (ET)
Die Erkrankung gehört zu den myeloproliferativen Syndromen . Sie entwickelt sich aus einem Klon einer Stammzelle. Kennzeichnend ist die stark erhöhte Produktion von Thrombozyten (Blutplättchen), zusätzliche Erhöhung der Leukozyten- und Erythrozyten-Zahlen kommt vor.
Etoposid
(Handelsname: Vepesid; Abk. VP-16); Zytostatikum;
Extramedulläres Myelom/Plasmozytom
(medulla lat. das Mark); Plasmozytom, dass nicht im Knochenmark oder in den Knochen sondern in Weichteilen des Körpers entsteht. Es kann sich auf das Knochenmark ausdehnen. (siehe auch unter Plasmozytom)
Extranodales NK/T-Zell Lymphom
(nodus lat. der Knoten; hier Lymphknoten); REAL/WHO-Klassifikation: extranodal NK/T cell lymphoma, nasal and nasal-type; Kiel-Klassifikation : keine Entsprechung;
T-Zell- bzw. NK-Zell;-Lymphom grading: aggressiv / hochmaligne (siehe Näheres unter grading).
F
FAB-Klassifikation
(Abk. für French-American-British cooperative group);
eine Klassifikationen für akute Leukämien (ALL und AML) und Myelodyplastische Syndrome (MDS) nach morphologischen Kriterien

FAB-Klassifikation Myelodyplastische Syndrome:
RA (refraktäre Anämie): dies ist ein frühes Stadium des MDS. Die Menge an Blasten (sehr unreife weiße Blutzellen) liegt im Normbereich.
RARS (refraktäre Anämie mit Ringsidroblasten): wie RA, es finden sich jedoch Ringsideroblasten (bestimmte Vorläuferzellen der Erythrozyten mit ringförmig um den Kern angeordneten Ferritinhaltigen Körnchen)
RAEB: RA mit Blastenvermehrung
RAEB-T: RAEB in Transformation (Vorstufe zur Akuten Myeloischen Leukämie, kurz AML)
CMML: Die Chronische Myelomonozytäre Leukämie (CMML) entspricht der RAEB, hierbei treten allerdings zusätzlich Monozyten auf)
Siehe auch Scoring-System für MDS
Fatigue Syndrom
(fr. Ermüdung); Ausgeprägte, durch Schlaf und Erholung nicht überwindbare Mattigkeit und Erschöpfung krebskranker Menschen, unter der ein merklicher Anteil der Patienten auch noch Jahre nach Abschluss der Behandlungen und "Überwindung" der Erkrankung leidet.
FCM
Eine in der Polychemotherapie eingesetzte gleichzeitig verabreichte Kombination aus den Zytostatika: Fludarabin, Cyclophospamid und Mitoxantron.
Fibroblasten
Zellen des Bindegewebes
Fibrose
krankhafte Bindegewebsvermehrung in Organen
FISH-Technik
(Fluoreszenz in situ Hybidisierung)
Eine spezielle Technik zur Untersuchung von Chromosomen und ihren Strukturveränderungen. Analysen mit der Fish-Technik sind einfacher und feiner als die vorher üblichen Verfahren. Hierzu lässt man verschiedenfarbig fluoreszierende Substanzen, die sich an spezifische Stellen der Chromosomen binden, auf ein Chromosomenpräparat einwirken und kann dann im Lichtmikroskop das entstandene Farbmuster betrachten.
Man kann so feststellen ob ein entsprechender Abschnitt eines Chromosoms vorhanden ist und wo er sich relativ zu anderen Abschnitten befindet und ob Translokationen zwischen verschiedenen Chromosomen erfolgt sind.
Fludarabin
(Handelsname z.B. Fludara); Zytostatikum
Follikuläres Lymphom
(syn.: Follikuläres Keimzentrums-Lymphom; Follikelzentrums Lymphom); REAL/WHO-Klassifikation: Follicle center cell lymphoma, follicular; Grad I, II und III; Kiel-Klassifikation: zentroblastisch/zentrozytisches Lymphom;
B-Zell-Lymphom; grading: Grad I und II indolent / niedrigmaligne Grad III aggressiv/"niedrigmaligne" (In der Kiel-Klassifikation wird nicht zwischen den einzelnen Graden unterschieden. Dort wird das zentroblastisch/zentrozytische Lymphom insgesamt als niedrigmaligne eingestuft. Zum grading siehe Näheres unter grading).
In den meisten Fällen liegt eine Chromosomentranslokation t(14;18) vor, die eine Überproduktion der BCL-2 Gen-Produkte und damit die Hemmung des programmierten Zelltodes bewirkt.
Fluoruracil; 5-Fluoruracil (5-FU)
Fluoruracil wird im Körper zu Fluoruridin umgewandelt und wirkt so als Antimetabolit zu dem DNA-Baustein Thymidin (siehe unter DNA). Das heißt, ein Enzym, welches normalerweise Thymidin erkennt "verwechselt" Fluoruridin mit Thymidin. Es kann aber kein Fluoruridin umsetzen und blockiert sich somit selbst. Als Folge fehlen Thymidin-Bausteine für die DNA-Verdoppelung, eine Voraussetzung für Zellteilungen (hier Tumorwachstum) Fluoruracil ist also ein Zytostatikum. Es gibt eine Reihe von Zytostatika die ähnlich wirken.
G
Ganciclovir
(Handelsname: Cymeven); antivirales Medikament gegen Cytomegalievirus-Infektionen
G-CSF
(Abkürzung für granulocyte-Colony Stimulation Factor/ Granulozyten-koloniestimulierender Faktor); die Bezeichnung "koloniestimulierend" stammt aus einer historischen Versuchsanordnung. Ein zu den Zytokinen gehörender Wachstumsfaktor, der das Granulozyten-Wachstum stimuliert und Blutstammzellen mobilisiert. Das gentechnologisch hergestellte Medikament (Handelsname: Neupogen) verkürzt die Zeit der Blutzellarmut (Neutropenie ) nach immunsuppressiven Behandlungen wie Chemotherapien oder Strahlentherapien.
Gene
Abschnitte auf den Chromosomen, die die Erbanlagen tragen. Die Gene sind auf den fadenförmigen Molekülen durch Zwischenstücke getrennt wie Perlen aufgereiht. Sie enthalten "Baupläne" für Proteine (Eiweiße), die fast alle Funktionen der Zellen und damit der Organe und des ganzen Körpers steuern bzw. realisieren.
genetisch
(erblich bedingt); in der Erbsubstanz (DNA) festgelegte Eigenschaften, die an die Nachkommen (auch Tochterzellen) weitergegeben werden.
Hier: In genetischen Untersuchungen werden Veränderungen der DNA von Tumorzellen aufgeklärt, die an deren Tochterzellen weitergegeben werden. Diese Veränderungen werden in Beziehung gesetzt zu von normalen Zellen abweichenden Eigenschaften von Tumorzellen.
Genregulation
Genregulationen sind generell für die Entstehung von Tumoren von zentraler Bedeutung. Bei einigen Tumortypen sind sie auch für die Diagnose und Therapie wichtig.
In einer Zelle sind nicht alle Gene gleichzeitig aktiv. Alle Zelltypen (z.B. Nervenzellen oder auch Lymphozyten) zeigen ein spezifisches Muster aktiver und inaktiver Gene. Das Muster aktiver und inaktiver Gene einer Zelle ändert sich auch über die Zeit. Die Regulation von Genen ist ein hochkomplexes Zusammenspiel von DNA und Proteinen auf mehreren Ebenen.
1. Abschnitte der fadenförmigen DNA in den Zellkernen können um kleine Proteine (Histone) "gewickelt" werden. Die in diesen verdichteten DNA-Abschnitten liegenden Gene sind inaktiv. Durch Wegnahme der Histone (Entpackung) werden die Gene wieder aktiv. Bei diesem Mechanismus werden in der Regel mehrere benachbarte Gene gemeinsam reguliert. Eingriffe in diesen Mechanismus werden auch zur Behandlung von Tumoren genutzt (siehe unter HDAC-Inhibitoren ).
2. Eine auch eher auf größere Abschnitte der DNA mit mehreren Genen wirkende Regulation der Aktivität von Genen ist die sogenannte "DNA-Methylierung". Durch Bindung von kleinen "Anhängen" (Methylgruppen) außen an Cytidin-Bausteine der DNA (siehe unter DNA) verändert sich die Aktivität der Gene des methylierten Bereiches. Bei einigen Tumorzelllinien findet man diese, relativ zu normalen Zellen, veränderten DNA-Methylierungen. Eine Methylierung kann mit als Zytostatika wirkenden Substanzen (z.B. "5-Azacytidin") reduziert werden. In Studien wird z.B. beim Myelodysplastischen Syndrom solch eine Behandlung durchgeführt.
3. In der Regel werden einzelne Gene durch Bindung oder Entfernung von Regulationsproteinen oder Hormonen an speziellen Abschnitten des Gens in ihrer Aktivität beeinflusst. Bindung von Proteinen / Hormonen führt bei einem individuellen Gen zur Aktivierung, bei einem anderen zur Inaktivierung. Die Entfernung von Proteinen / Hormonen bewirkt bei wieder einem anderen Gen entweder zu dessen Aktivierung oder Inaktivierung. Ein konkretes Regulationsprotein / Hormon kann also eine von vier verschiedenen Wirkungen zeigen: Bindung = Inaktivierung oder Bindung = Aktivierung oder Entfernung = Inaktivierung oder Entfernung = Aktivierung. Mehrere dieser vier Mechanismen regulieren häufig kaskadenförmig in komplizierten Regelkreisen die Aktivität eines konkreten Gens.
Unabhängig von seinen Regulationen kann ein Gen durch eine Mutation so verändert sein, dass die von diesem Gen normalerweise "hergestellten" Proteine nicht mehr oder mit nicht funktionierender falscher Struktur gebildet werden.
Mutationen können auch in die oben beschriebenen Regulationsmechanismen eingreifen und so zu fehlenden Proteinen oder zu Proteinmengen in falschen Konzentrationen führen.
Ein Spezialfall einer Regulationsstörung ist die Fusion eines Strukturabschnitts eines Gens (er enthält die Information für das Protein) mit einem nicht passenden Regulationsabschnitt aus einem anderen Gen durch eine Translokation. Das führt auch zu einer Fehlsteuerung des betroffenen Gens. (siehe z.B. das Philadelphia-Chromosom bei der CML)
gentechnologisch
(mit den Techniken der Gentechnologie durchgeführt); die Gentechnologie ist die Wissenschaft von der Neukombination von DNA-Abschnitten oder Genen verschiedener Organismen. In der Immuntherapie eingesetzte "chimäre monoklonale Antikörper" werden z.B. von Zellen produziert, in denen ein Maus-DNA-Abschnitt mit einem Mensch-DNA-Abschnitt kombiniert wurde. Die Gene von menschlichen Wachstumsfaktoren, die die Bildung von Blutzellen stimmulieren wurden in die DNA von Bakterien oder Hefezellen "eingesetzt", so dass von ihnen diese Wachstumsfaktoren produziert werden. Sie können dann für Medikamente isoliert werden.
Glivec
(Syn.: Gleevec; Wirkstoff: STI571); es ist ein das Enzym "ABL-Tyrosinkinase" spezifisch hemmendes Medikament.
Bei CML-Patienten und bestimmten ALL-Patienten liegt ein sogenanntes "BCR-ABL-Rearrangement" in der DNA vor (die normalerweise auf verschiedenen Chromosomen getrennten BCR- und ABL-Abschnitte sind fusioniert). Dadurch zeigt die ABL-Tyrosinkinase eine Überaktivität der Enzymaktivität und fördert so das Tumorwachtum. Glivec/STI571 hemmt also das Tumorwachstum bei genannten Patienten. (siehe auch Philadelphia-Chromosom )
GM-CSF
(Abkürzung für Granulocyte-Makrophage-Colony Stimulation Factor; Granulozyten-Makrophagen-Kolonie stimulierender Faktor); die Bezeichnung "Kolonie stimulierend" stammt aus einer historischen Versuchsanordnung. Ein zu den Zytokinen gehörender Wachstumsfaktor, der im Unterschied zum G-CSF das Wachstum von Granulozyten und weiteren Zelltypen vor allem von Makrophagen stimuliert und mobilisiert. Das gentechnologisch hergestellte Medikament (Handelsname z.B.: Leukine) verkürzt die Zeit der Blutzellarmut (Neutropenie ) nach immunsuppressiven Behandlungen wie Chemotherapien.
grading
(nicht zu verwechseln mit dem staging, der Zuordnung der Erkrankung eines konkreten Patienten zu einem bestimmten Stadium der Krankheitsentwicklung);
Grading wird die Einordnung von Tumor-Entitäten (unterscheidbaren eigenständigen Erkrankungen) nach ihrer Bösartigkeit, der Schnelligkeit des Fortschreitens der Erkrankung in Gruppen genannt.
Bei der großen Anzahl von Lymphom-Entitäten (ca. 30) wäre die Bildung von Gruppen hilfreich, so dass Erkrankungen einer Gruppe der gleichen Behandlung zugeführt werden könnten und Patienten durch Charakterisierungen der Gruppen eine Vorstellung bekämen wie sich ihre Erkrankung wahrscheinlich entwickeln wird.
In der Kiel-Klassifikation (1974) gibt es zwei Gruppen, niedrigmaligne und hochmaligne Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) (als Synonyme auch NHL vom niedrigem Malignitätsgrad und hohem Malignitätsgrad).
In der "working formulation" (1982) - sie wurde vornehmlich in Amerika benutzt - gibt es drei Gruppen, low grade, intermediate grade und high grade NHL (als Synonyme auch low risk, intermediate risk und high risk).
Wohl in Angleichung an die "working formulation" wurden die Entitäten der Kiel-Klassifikation auch hin und wieder in drei Gruppen eingeteilt. Als dritte Gruppe zwischen den beiden anderen wurde die Gruppe intermediärmaligne NHL gebildet.
Bei der Erstellung der weltweit einheitlichen REAL-Klassifikation (1998) (von der WHO als WHO-Klassifikation der Lymphome (1999) leicht verändert übernommen) hat man auf ein grading verzichtet, weil die Variablität zwischen den einzelnen Erkrankungen vieler Lymphom-Entitäten so hoch ist, dass sie kaum zusammen einer Gruppe zugeordnet werden können.
Nach der Erstellung der REAL/WHO-Klassifikation blieb speziell bei Klinikern der Wunsch, ein grading zur Verfügung zu haben. Die Entitäten der REAL/WHO-Klassifikation wurden in zwei Gruppen (indolente und aggressive Lymphome) bzw. in drei Gruppen (indolente, aggressive und sehr aggressive Lymphome) eingeteilt.
Aus den Ausführungen folgt, dass ein grading nur ein Anhaltspunkt sein kann. Speziell bei einigen Lymphomen kann sich eine konkrete Erkrankung anders Verhalten als es ihrem grading entspricht.
Gegenwärtig werden nicht selten die Bezeichnungen einer Klassifikation mit dem grading einer anderen gemischt. Wir haben bei den einzelnen Lymphom Entitäten zu dem grading indolent und aggressiv (nach Physician Data Query, US National Cancer Institute) das häufig angegebene grading der Kiel-Klassifikation niedrigmaligne und hochmaligne hinzugefügt.

Was bedeutet nun indolent/niedrigmaligne (auch low grade, low risk) und aggressiv/hochmaligne (auch high grade, high risk)?
Indolent/niedrigmaligne:
  • langsames Fortschreiten der Erkrankung; häufig über mehrere Jahre;
  • oft mit einer milden Chemotherapie kontrollierbar;
  • Erkrankung kann zu einer aggressiven/hochmalignen Form transformieren;
  • Abgesehen von Einzelfällen in frühen Stadien, in der Regel nicht heilbar;
aggressiv/hochmaligne:
  • schnelles Fortschreiten der Erkrankung in Wochen oder Monaten;
  • ein je nach Typ unterschiedlicher Anteil ist heilbar;
(zum Verständnis der unterschiedlichen Heilbarkeit der Lymphome siehe auch unter Zytostatika.)
Graft-versus-host-disease (GvHD)
(Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion); bei einer allogenen Transplantation sind Transplantat und Wirt genetisch nicht identisch. Deshalb kommt es häufig zu immunologischen Abwehrreaktionen des Transplantates gegen den Wirt. Man unterscheidet eine akute GvHD (Auftreten in den ersten 100 Tagen) mit Beschwerden vornehmlich an Haut, Darm und Leber von einer chronischen GvHD (nach 100 Tagen) mit Trockenheit des Mundes und der Augen, mit Beschwerden vornehmlich an Haut, Leber, Lunge und Magen-Darm-Trakt. Zur Bekämpfung der GvHD müssen häufig lange Zeit Medikamente genommen werden.
Graft-versus-Leukämie/Lymphom-Effekt
Der entscheidende Vorteil einer allogenen gegenüber einer autologen Transplantation ist, dass das Transplantat effektiv nach Behandlungen verbliebene Tumorzellen bekämpft. Dieser spezielle Effekt wird Graft-versus-Leukämie-Effekt / Graft-versus-Lymphom-Effekt (GvL) oder Graft versus Tumor-Effekt (GvT) genannt.
Granulozyten
Eine Untergruppe der Leukozyten (weißen Blutkörperchen), die im Zellleib Granula (lat. Körnchen) enthalten. Nach ihrer unterschiedlichen Färbbarkeit werden sie in neutrophile, eosinophile und basophile Granulozyten unterteilt.
Gray (Gy)
Die Bestrahlung in einer Strahlentherapie muss sehr sorgfältig dosiert werden um einerseits eine Wirkung auf den Tumor zu erzielen und andererseits gesundes Gewebe nicht zu sehr zu schädigen. Ein geeignetes Maß ist die Strahlungswirkung, die sogenannte Energiedosis. Das ist die Strahlungsenergie, die durch eine bestimmte Materiemenge (hier der menschliche Köper oder Teile des Körpers) absorbiert wird. Die Strahlungswirkung wird in Gray (Joule/kg) gemessen.
GvHD
(Abk. für Graft-versus-host-disease; Transplantat gegen Wirt Reaktion)
GvHD-Prophylaxe
Um das Auftreten der GvHD zu verhindern oder abzuschwächen werden Medikamente, die immunsuppresiv wirken prophylaktisch (vor Eintreten der Symptome) verabreicht.

  Fachbegriffe Leukämien Lymphome weiter  A Fachbegriffe Leukämien Lymphome weiter B-C  D-G  H-J Fachbegriffe Leukämien Lymphome weiter K-L Fachbegriffe Leukämien Lymphome weiter M-O Fachbegriffe Leukämien Lymphome weiter P-R Fachbegriffe Leukämien Lymphome weiter S-Z Fachbegriffe Leukämien Lymphome weiter
 
Leukämie-Lymphom-Hilfe Startseite Startseite

© copyright:  S.E.L.P.e.V.; Annette Hünefeld u. Dr. rer.nat. Bernard Hellkuhl

Quelle dieser Seite im Netz:  www.selp.de/glossar/glossdg.htm